Prüfung
Prüfungsaufbau: sechs Handlungsbereiche im Überblick
Sechs Handlungsbereiche, zwei schriftliche Aufgaben, eine Präsentation und ein Fachgespräch: So ist die Fachwirt-Prüfung aufgebaut und bewertet.
Aktualisiert am · Redaktion Fachwirt Sozialwesen

Kurzantwort: Die Prüfung zum Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen umfasst sechs Handlungsbereiche: Prozesse, Qualitätsmanagement, Schnittstellen und Projekte, Betriebswirtschaft, Personal und Marketing. Schriftlich bearbeitest du eine betriebliche Situationsbeschreibung mit zwei Aufgaben über 600 bis 630 Minuten, mündlich folgen Präsentation und Fachgespräch.
Das Prüfungsgerüst auf einen Blick
Die Verordnung gliedert die Prüfung in einen schriftlichen und einen mündlichen Teil. Beide müssen für sich bestanden werden. Die sechs Handlungsbereiche bilden den inhaltlichen Rahmen, innerhalb dessen die Aufgaben gestellt werden.
| Prüfungsteil | Form | Zeitrahmen | Gewichtung |
|---|---|---|---|
| Schriftlich | Betriebliche Situationsbeschreibung, zwei gleichgewichtige Aufgabenstellungen | 600 bis 630 Minuten insgesamt | arithmetisches Mittel der beiden Aufgaben |
| Präsentation | Vortrag zu einem selbst gewählten Thema | soll zehn Minuten dauern | ein Drittel der mündlichen Wertung |
| Fachgespräch | Gespräch mit dem Prüfungsausschuss | höchstens 20 Minuten | zwei Drittel der mündlichen Wertung |
Zur mündlichen Prüfung wirst du nur zugelassen, wenn die schriftliche Prüfung mindestens ausreichend war. Bestanden ist die Prüfung, wenn du in beiden Teilen mindestens 50 Punkte erreichst, ohne Rundung.
Die sechs Handlungsbereiche im Einzelnen
1. Planen, Steuern und Organisieren betrieblicher Prozesse
Hier geht es um das Tagesgeschäft einer Einrichtung: Wie laufen Aufnahme, Versorgung, Dokumentation und Entlassung ab? Wer macht was, wann und mit welchen Mitteln? Du sollst Abläufe so ordnen, dass Ressourcen sinnvoll eingesetzt werden und Engpässe früh sichtbar sind. Typisch sind Aufgaben zu Dienst- und Einsatzplanung, Prozessbeschreibungen und Abstimmung mit externen Partnern. Gute Antworten benennen Ziel, Beteiligte, Reihenfolge und Risiken und bleiben dabei an der geschilderten Einrichtung, statt allgemeine Lehrbuchmodelle aufzuzählen.
2. Steuern von Qualitätsmanagementprozessen
Dieser Bereich verlangt, Qualität messbar und überprüfbar zu machen. Du erklärst, wie Standards entstehen, wie sie kontrolliert und wie Abweichungen bearbeitet werden. Die Prüfung nutzt dafür Situationen aus dem Einrichtungsalltag, etwa Beschwerden, Audits oder Verbesserungsvorschläge. Vertiefung findest du im Beitrag Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen für die Prüfung.
3. Gestalten von Schnittstellen und Projekten
Einrichtungen arbeiten selten allein. Sie stehen im Austausch mit Kostenträgern, Behörden, Ärzten, Angehörigen und anderen Trägern. Dieser Bereich fragt, wie du Übergaben gestaltest und Projekte planst, steuerst und abschließt. Auch Kommunikation und Konfliktlösung an Übergängen gehören dazu. Der Beitrag Schnittstellen und Projekte: Handlungsbereich 3 erklärt geht darauf ein.
4. Steuern und Überwachen betriebswirtschaftlicher Prozesse und Ressourcen
Wirtschaftliches Denken gehört zu jeder Leitungsaufgabe. Du sollst Kosten und Erlöse einordnen, Budgets verstehen und Entscheidungen begründen, ohne den Versorgungsauftrag aus dem Blick zu verlieren. Typisch sind Fälle mit Kennzahlen, Auslastung, Personalkosten und Investitionsfragen. Zahlen kommen aus der Aufgabe selbst; du musst sie lesen, ordnen und bewerten können, nicht auswendig kennen. Der Bereich verlangt Rechenfähigkeit, aber vor allem Begründungen in Worten.
5. Führen und Entwickeln von Personal
Der Bereich hat eine Sonderrolle: Er ist in der mündlichen Prüfung gesetzt, denn das Präsentationsthema muss diesen Handlungsbereich betreffen und einen weiteren frei wählbaren Bereich. Inhaltlich geht es um Personalplanung, Gespräche, Konflikte, Einarbeitung und Entwicklung von Mitarbeitenden. Die Verordnung sieht außerdem vor, dass erfolgreiche Absolventen vom schriftlichen Teil der AEVO befreit sind.
6. Planen und Durchführen von Marketingmaßnahmen
Auch soziale Einrichtungen konkurrieren um Fachkräfte, Klienten und Fördermittel. Dieser Bereich behandelt Zielgruppen, Angebote, Kommunikation und Außenauftritt. Beispiele sind die Gewinnung von Pflegefachkräften, die Bekanntmachung eines neuen Angebots oder die Kommunikation mit Angehörigen. Du sollst Maßnahmen planen, Kosten abschätzen und Wirkung bewerten. Hinweise für die Prüfung gibt der Beitrag Marketing für Gesundheitseinrichtungen in der Prüfung.
So läuft die schriftliche Prüfung ab
Die schriftliche Prüfung beruht auf einer betrieblichen Situationsbeschreibung. Aus ihr werden zwei Aufgabenstellungen abgeleitet, die gleich gewichtet sind. Insgesamt soll die Bearbeitungszeit zwischen 600 und 630 Minuten liegen. Bei der IHK Fulda werden die beiden Aufgaben an zwei aufeinanderfolgenden Tagen mit je 300 Minuten geschrieben. Bundesweit liegen die Termine 2027 am 23. und 24. März sowie am 18. und 19. Oktober.
Wichtig für die Vorbereitung: Es gibt keine Trennung nach Fächern. Eine Aufgabe berührt oft mehrere Handlungsbereiche zugleich, zum Beispiel Personal, Qualität und Wirtschaftlichkeit in derselben Lage. Übe deshalb mit Fällen, nicht mit Karteikarten. Wie die Klausur im Detail abläuft, beschreibt der Beitrag Zwei Situationsaufgaben je 300 Minuten.
Die mündliche Prüfung: Präsentation und Fachgespräch
Nur wer die schriftliche Prüfung mindestens ausreichend besteht, wird mündlich geprüft. Die Präsentation soll zehn Minuten dauern. Das Thema muss den Handlungsbereich „Führen und Entwickeln von Personal“ und einen weiteren Handlungsbereich deiner Wahl verbinden. Danach folgt das Fachgespräch, das höchstens 20 Minuten dauert.
Das Fachgespräch zählt zu zwei Dritteln, die Präsentation zu einem Drittel. Wer also in der Präsentation überzeugt, aber im Gespräch unsicher bleibt, verschenkt Punkte. Plane deshalb Übungsgespräche ein, in denen du Rückfragen beantwortest, statt nur zu präsentieren.
Bewertung und Bestehen
- Schriftlich: Mittel aus den beiden Aufgabenbewertungen
- Mündlich: Fachgespräch zwei Drittel, Präsentation ein Drittel
- Bestanden: jeweils mindestens 50 Punkte in beiden Teilen, ohne Rundung
- Wiederholung: zweimal möglich
Befreiungen von einzelnen Prüfungsbestandteilen sind nach dem Berufsbildungsgesetz möglich. Die übrigen Anteile werden dann neu gewichtet. Ob und in welchem Umfang eine Befreiung gilt, entscheidet die Kammer im Einzelfall. Wer bestanden hat, erhält zwei Zeugnisse, eines mit und eines ohne Noten.
Typische Fehler in der Prüfung
Manche Fehler tauchen immer wieder auf. Der erste ist, die Situationsbeschreibung nur zu überfliegen. Die Aufgaben beziehen sich auf Details, etwa auf Zahlen, Abläufe oder Konflikte, die am Anfang stehen. Wer sie nicht nutzt, schreibt an der Lage vorbei.
Der zweite Fehler ist, nur Wissen wiederzugeben. Die Prüfung verlangt Entscheidungen mit Begründung: Was schlägst du vor, warum, welche Folgen hat es, was spricht dagegen? Ein knapper Abwägungssatz bringt oft mehr Punkte als eine halbe Seite Definition.
Der dritte Fehler betrifft die Zeit. Zwei Aufgaben, je rund 300 Minuten, wirken großzügig, doch die Aufgaben sind umfangreich. Plane Lesezeit, Gliederung, Ausarbeitung und eine kurze Schlussprüfung ein. Wer erst nach der Hälfte der Zeit mit dem Schreiben beginnt, gerät in Not.
Der vierte Fehler liegt in der mündlichen Prüfung: Die Präsentation wird aufgebläht, und für das Fachgespräch bleibt keine Vorbereitung. Dabei zählt das Gespräch mehr. Bereite Rückfragen zu deinem Thema vor und lass dich von Kolleginnen testen.
Wie die Bereiche zusammenhängen
Die sechs Bereiche sind keine getrennten Fächer. In einer Einrichtung hängen sie ständig zusammen: Ein neuer Dienstplan (Prozesse) verändert die Kosten (Betriebswirtschaft), betrifft die Zufriedenheit der Mitarbeitenden (Personal), muss dokumentiert und überprüft werden (Qualität), berührt Absprachen mit Partnern (Schnittstellen) und beeinflusst, wie die Einrichtung auftritt (Marketing). Wer diese Verknüpfungen beschreiben kann, hat den Kern der Prüfung verstanden.
Für die Praxis heißt das: Lies jede Aufgabe zuerst mit der Frage, welche Bereiche sie berührt. Notiere sie am Rand und gliedere deine Antwort danach. So stellst du sicher, dass keine Seite der Lage unbeachtet bleibt, und der Prüfer erkennt deinen Gedankengang. Besonders in der mündlichen Prüfung wirkt es überzeugend, wenn du Zusammenhänge selbst herstellst, ohne dass der Ausschuss nachfragen muss.
Vorbereitung nach Handlungsbereichen
Teile deine Lernzeit nicht gleichmäßig auf die sechs Bereiche auf, sondern nach deinen Stärken und Lücken. Wer täglich im Dienstplan arbeitet, kommt mit Prozessen meist gut zurecht, tut sich aber mit Betriebswirtschaft schwer. Wer in der Verwaltung tätig ist, kennt Zahlen, braucht aber Praxis bei Personalführung. Eine ehrliche Selbsteinschätzung zu Beginn spart Wochen. Mach dazu am besten eine Probeaufgabe vor dem Lehrgang und sieh, in welchen Bereichen du sicher argumentierst und wo du ins Stocken gerätst.
Hilfreich ist ein Wochenplan mit festen Blöcken: Fallübung, Wissensauffrischung, Schreiben unter Zeit, mündliche Übung. Im Beitrag Lernplan für 600 Stunden Selbststudium findest du Ideen, wie du die Menge einteilst. Die 600 Stunden Selbststudium und 600 Stunden Lehrveranstaltung sind der Durchschnitt, den die DIHK allgemein für Fachwirt-Abschlüsse auf Niveau 6 nennt.
Praktische Hinweise für den Prüfungstag
Bring alles mit, was die Kammer erlaubt, und kläre vorab, welche Hilfsmittel zugelassen sind. Die Regeln legt die jeweilige IHK in ihren Hinweisen fest; sie können sich im Detail unterscheiden. Schlaf vor den beiden Schreibtagen ausreichend und plane Pausen und Verpflegung ein, denn zwei Mal rund fünf Stunden Konzentration sind ein Marathon.
Für die mündliche Prüfung gilt: Übe laut. Stoppe die zehn Minuten der Präsentation, nimm sie auf und höre sie an. Bitte jemanden, dir fünf unbequeme Fragen zu stellen. Wer das vorher erlebt hat, bleibt im Fachgespräch gelassener.
Wie weiter
Wenn du das Gerüst verstanden hast, klärst du als Nächstes Zulassung, Lehrgangsform und Finanzierung. Die Einordnung des Abschlusses insgesamt liefert der Beitrag Fachwirt Gesundheits- und Sozialwesen: Abschluss erklärt.
Fragen und Antworten
Welche sechs Handlungsbereiche gibt es?
Planen, Steuern und Organisieren betrieblicher Prozesse; Steuern von Qualitätsmanagementprozessen; Gestalten von Schnittstellen und Projekten; Steuern und Überwachen betriebswirtschaftlicher Prozesse und Ressourcen; Führen und Entwickeln von Personal; Planen und Durchführen von Marketingmaßnahmen.
Wie lange dauert die schriftliche Prüfung?
Die gesamte Bearbeitungsdauer soll zwischen 600 und 630 Minuten liegen. Die IHK Fulda schreibt die beiden Aufgaben an zwei aufeinanderfolgenden Tagen mit je 300 Minuten.
Wie lange dauern Präsentation und Fachgespräch?
Die Präsentation soll zehn Minuten dauern, das Fachgespräch höchstens 20 Minuten. Das Gespräch zählt zwei Drittel, die Präsentation ein Drittel.
Wann habe ich bestanden?
Wenn du ohne Rundung in der schriftlichen und in der mündlichen Prüfung jeweils mindestens 50 Punkte erreichst.